Angesichts des alarmierenden Zustands der Biodiversität und der Ökosysteme in Luxemburg fordert natur&ëmwelt asbl einen Nationalen Wiederherstellungsplan für die Natur (NRP), der wirklich ambitioniert, kohärent und mit ausreichenden Mitteln ausgestattet ist.

„Der Nationale Wiederherstellungsplan für die Natur darf nicht zu einem Katalog guter Absichten werden. Er muss einen echten Kurswechsel ermöglichen – mit verbindlichen Maßnahmen, ausreichenden Mitteln und einem transparenten Monitoring“, betont Claudine Felten, Direktorin von natur&ëmwelt asbl.

 

Die Biodiversität steht stark unter Druck

Die Befunde sind besorgniserregend: Kein Oberflächenwasserkörper in Luxemburg erreicht derzeit einen guten ökologischen Zustand, rund zwei Drittel der natürlichen Lebensräume befinden sich in einem ungünstigen oder schlechten Zustand, und zahlreiche Arten gehen weiterhin zurück. Fast 30 % der Vögel, 26 % der Schmetterlinge und 35 % der Gefäßpflanzen sind bedroht. Auch die Situation der Wälder hat sich stark verschlechtert: Der Anteil gesunder Bäume ist von 79 % im Jahr 1984 auf nur noch 15 % im Jahr 2024 gesunken.

Von Absichten zur Umsetzung kommen

natur&ëmwelt asbl begrüßt, dass sich der Nationale Wiederherstellungsplan für die Natur (NRP) auf den Nationalen Naturschutzplan, den PNPN3, stützt. Diese strategische Kontinuität ist wichtig. Die Organisation weist jedoch darauf hin, dass bislang weder eine vollständige Bewertung der Umsetzung des PNPN3 noch der bestehenden Agrarumweltmaßnahmen vorgenommen wurde.

Der künftige Plan muss daher einen echten Kurswechsel markieren. Er muss die formulierten Ziele in konkrete, messbare und finanzierte Verpflichtungen übersetzen. natur&ëmwelt asbl fordert insbesondere, das Monitoring von Arten und Lebensräumen zu stärken, die Daten in einer gemeinsamen Datenbank zu zentralisieren und die Wirksamkeit der Maßnahmen regelmäßig zu evaluieren.

 

Die Landwirtschaft muss Teil der Lösung werden

Ein tiefgreifender Wandel ist insbesondere im Bereich der Landwirtschaft notwendig, die heute einen wesentlichen Druck auf die Biodiversität ausübt. natur&ëmwelt asbl fordert eine bessere Kohärenz zwischen dem NRP und der Agrarpolitik. Der Viehbestand und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln müssen deutlich reduziert werden, während Agrarumweltmaßnahmen attraktiver, gezielter und wirksamer werden müssen.

Die Wiederherstellung der Natur kann zugleich eine Chance für den Agrarsektor darstellen. Landwirtinnen und Landwirte, die Böden, Wasser, Landschaften und Biodiversität erhalten, müssen für die Ökosystemleistungen, die sie für die Gesellschaft erbringen, stärker anerkannt und besser entlohnt werden. natur&ëmwelt asbl spricht sich insbesondere für Instrumente wie eine Gemeinwohlprämie, einen Klimabonus für strukturreiche Landschaftselemente sowie eine stärkere Unterstützung bei der Wiederherstellung von Dauergrünland aus.

Eine kohärente Umsetzung im ganzen Land

natur&ëmwelt asbl fordert außerdem ambitioniertere Maßnahmen im urbanen Raum, mit echten ökologischen Bewirtschaftungsplänen in den Gemeinden, verbindlicheren Normen für Grünflächen und Bäume sowie Förderinstrumenten für Begrünung und Entsiegelung.

Darüber hinaus bedauert die Organisation die Mängel im Konsultationsprozess, der auf sechs Wochen begrenzt war, davon zwei Wochen während der Osterferien. Sie fordert, dass die Beiträge aus Workshops und Konsultationen transparent und nachvollziehbar in die Endfassung des Plans einfließen.

Für natur&ëmwelt asbl muss der Nationale Wiederherstellungsplan für die Natur zu einem zentralen Instrument werden, um den Rückgang der Biodiversität in Luxemburg aufzuhalten. Dafür braucht es klare Entscheidungen, ausreichende Mittel und eine kohärente Umsetzung in der Agrar-, Stadtentwicklungs- und Umweltpolitik.

Die vollständige Stellungnahme von natur&ëmwelt asbl finden Sie hier: natur&ëmwelt Avis PNR