Die Uferschwalbe, auf Luxemburgisch auch Sandschmuewel genannt, wurde von natur&ëmwelt zum Vogel des Jahres 2026 gekrönt.

Diese überaus wendige Schwalbe zieht ihre Brut im sandigen Erdreich auf. Hierzu gräbt sie eine bis zu 70 cm lange Röhre horizontal in einen steilen Hang hinein. Am Ende dieses Tunnels entsteht eine kleine Nestmulde, die mit Halmen, Wolle und Federn ausgekleidet wird. Da Uferschwalben Koloniebrüter sind, erkennt man eine bewohnte Wand an den vielen Nesteingängen. 

An den Ufern von Bächen und Flüssen entstehen natürliche Steilhänge. Durch Flussbegradigungen wird dieser Lebensraum zerstört, wodurch die kleinste Schwalbenart unter erheblichem Wohnungsmangel leidet. Uferschwalben sind deshalb auf künstliche Sandaufschüttungen, wie sie beispielsweise in Kiesgruben zu finden sind, angewiesen. Die 110 bis 150 in Luxemburg lebenden Uferschwalbenpaare findet man deshalb hauptsächlich im Moselgebiet, wo Sand und Kies ausgebaggert werden. Hier wurden auch erfolgversprechende Versuche gestartet, den Uferschwalben mittels einer künstlichen Nistwand eine Nisthilfe anzubieten.

Die Uferschwalbe – ein Tunnelbauer

Eine weitere Besonderheit der Uferschwalbe ist ihr Brutverhalten. Nach ihrer Ankunft aus den Winterquartieren im April beginnen sie, ihre Niströhren zu graben und zu brüten. In einem Zeitraum von sechs Wochen werden vier bis sechs Jungtiere aufgezogen. Noch während sie die bald flüggen Jungtiere betreuen, die bei der Futtersuche noch auf sie angewiesen sind, beginnen die Uferschwalben mit einer zweiten Brut. Dieses Verhalten nennt man Schachtelbrut. So wird die Zeit bis zum Abflug ins südliche Afrika im September optimal genutzt, um möglichst viele Jungvögel aufzuziehen.

Die anstrengende Zeit während der Migration nach und von Afrika ist zugleich die gefährlichste. Dürren und Trockenheit in den Winterquartieren bedrohen die Bestände ebenso wie der Mangel an Nistplätzen.

Die Uferschwalbe ist mit einer Größe von etwa 12–13 cm vergleichsweise klein und an Kopf und Rücken mattbraun gefärbt. Ihre Unterseite ist weiß und mit einem braun-grauen Brustband durchzogen, ihre Beine sind dunkel gefärbt. Im Gegensatz zu anderen Schwalbenarten ist ihr Schwanz nur leicht gegabelt. Männchen und Weibchen sehen gleich aus und sind nur schwer zu unterscheiden.

Ihr Name deutet in vielen Sprachen auf ihren Lebensraum hin. Ihr wissenschaftlicher Name „Riparia“ leitet sich vom Lateinischen „Ripa“ für Ufer ab und findet sich in ihrem deutschen und französischen Namen, „Hirondelle de rivage“, wieder. Da Uferbereiche immer auch sandige Bereiche sind, findet sich dies im Luxemburgischen „Sandschmuewel“ und im Englischen „Sand Martin“ wieder.

Schoul an Natur

 Die luxemburgischen „Vögel des Jahres” werden regelmäßig im Unterricht der Grundschulen behandelt. Für jedes Schulkind der Klassen 3 und 4 druckt natur&ëmwelt eine Broschüre, in der die Uferschwalbe kindgerecht vorgestellt wird. Ein pädagogisches Dossier mit vielen Spielanleitungen ermöglicht es dem Lehrpersonal, diesen Vogel im Unterricht vorzustellen.

Unter Mitarbeit des Naturmuseums konnte ein tolles Poster entworfen werden, das alle Schüler nutzen können. Die Kampagne „Schoul an Natur” wird durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Biodiversität sowie das Ministerium für Bildung, Kinder und Jugend unterstützt.

Alle Materialien zum „Vogel des Jahres” sind auch im „Nature Shop” in Kockelscheuer erhältlich. Für alle Vogelfreunde und Sammler gibt es dort auch den diesjährigen Aufkleber mit der Uferschwalbe.