Luxemburg, den 16. Juni 2026 – Vor der Abstimmung im Plenum des Europaparlaments am morgigen Mittwoch, dem 17. Juni, appellieren die in der Plattform Meng Landwirtschaft zusammengeschlossenen Organisationen an die Luxemburger EU-Abgeordneten, den Vorschlag zur Zulassung von Pflanzen, die mit sogenannten “neuen genomischen Techniken” (NGT) gewonnen wurden, abzulehnen.
Die EU verhandelt seit 2023 über den Entwurf einer Verordnung zu Pflanzen, die mit sogenannten “neuen genomischen Techniken“ (NGT) gewonnen wurden. Deren Ziel ist es, einen Großteil dieser Pflanzen von den bestehenden EU-Vorgaben für gentechnisch veränderte Organismen auszunehmen. Die Plattform Meng Landwirtschaft steht dem Vorschlag äußerst kritisch gegenüber: Die verpflichtende Verbraucherkennzeichnung von Lebensmitteln, die Rückverfolgbarkeit von NGTs in der Umwelt, deren Risikoprüfung sowie die Vorlage geeigneter Nachweisverfahren sollen abgeschafft werden. [1] Gleichzeitig soll die Patentierung von NGTs uneingeschränkt möglich bleiben.
VertreterInnen von Meng Landwirtschaft hatten in den vergangenen Wochen Unterredungen mit mehreren Luxemburger EU-Abgeordneten geführt und diese auf die Risiken von NGTs sowie die Folgen von deren Patentierung aufmerksam gemacht, durch die mit wachsender Abhängigkeit der Landwirte sowie weiteren Benachteiligungen der kleinen und mittelständischen Saatgutproduzenten von Agrarkonzernen gerechnet werden muss. Patente auf NGTs würden nicht nur die Entwicklung neuer, an lokale Bedingungen angepasste Sorten beeinträchtigen, sondern auch die Souveränität der Lebensmittelproduktion in Europa weiter einschränken.
Das Luxemburger Parlament hatte Anfang 2024 einen Antrag angenommen, in der die Regierung zu einer Initiative für ein Verbot von Patenten auf NGT1-Pflanzen aufgefordert wurde. Trotz dieser Aufforderung hatte die Luxemburger Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerin Martine Hansen sich im europäischen Rat weder für die Risikoprüfung und Kennzeichnung von NGTs noch gegen deren Patentierung eingesetzt.
Meng Landwirtschaft bedauert, dass die Luxemburger Regierung dem umstrittenen Kompromissvorschlag zwischen EU-Kommission, EU-Rat und Europaparlament zugestimmt hat. Sie untergräbt einen wissenschaftlich fundierten Umgang mit den Risiken der Gentechnik und nimmt den Bürgerinnen und Bürgern das Recht, selbst zu entscheiden, was sie essen wollen. Profiteure werden Agrarkonzerne wie Bayer-Monsanto oder KWS sein, die ihr patentiertes Saatgut auf den Markt drücken – zu Lasten von Landwirtinnen und Landwirten sowie von unabhängigen Züchtern.
Meng Landwirtschaft ist eine Plattform von luxemburgischer Nichtregierungsorganisationen, die sich mit Themen rund um Landwirtschaft, Ernährung, Umwelt, Naturschutz, Tierschutz, Verbraucherschutz, Gesundheit und Entwicklungszusammenarbeit befassen. Sie wurde 2010 gegründet und wird aktuell getragen von natur&ëmwelt a.s.b.l., Vereenegung fir Biolandwirtschaft Lëtzebuerg a.s.b.l., Greenpeace Luxembourg, Action Solidarité Tiers Monde, SOS Faim Luxembourg, Mouvement écologique, etika, CELL, Slow Food Luxembourg, Cercle de Coopération, Aide à l‘Enfance de l‘Inde et du Népal, Lëtzebuerger Landesverband fir Beienzuucht, SEED, Kampagne „ohne Pestizide“, Frères des Hommes, Foodsharing Luxembourg, Netzwierk Agroökologie, Fondation Partage, Ligue CTF und Vegan Society Luxembourg.
Notizen:
[1] Die verpflichtende Verbraucherkennzeichnung, Rückverfolgbarkeit, Risikoprüfung sowie Vorlage geeigneter Nachweisverfahren sollen abgeschafft werden. Gleichzeitig soll die Patentierung uneingeschränkt möglich bleiben. Insgesamt ermöglichen neue Gentechnikverfahren einen weitaus tieferen Eingriff in die Eigenschaften von Arten und ihren Ökosystemen, als dies bei konventioneller Züchtung und evolutionären Prozessen zu erwarten wäre. Dies geht nicht nur mit den Umweltrisiken der spezifischen NGT-Pflanze einher, sondern auch mit Kaskadenrisiken für die Ökosysteme. Die Konvergenz von künstlicher Intelligenz (KI) und NGT kann diese Entwicklung erheblich beschleunigen und zu einer Vervielfachung der Risiken führen. Infolgedessen kann die Freisetzung von Organismen, die aus neuen Gentechnikverfahren hervorgehen, Ökosysteme gefährden, zu einer neuen Ursache für das Aussterben von Arten werden und die Ernährungssicherheit bedrohen.
